Shadow Man

Release: 09. März 1999

Genre: Action-Adventure

Spieler: 1

Konsolen: N64, PS1, Dreamcast

 

 

Info zum Spiel:

Genau wie z.B. die Turok-Spiele basiert auch Shadow Man auf einer Comic-Reihe von Acclaim bzw. Valiant-Comics. Trotz guter Bewertungen und intensivem Spielerlebnis schaffte es der von Tod geprägte Mann nur zu einer Fortsetzung für die PS2-Generation und leider kam es nie zu einem Remake o.Ä.! Somit konnte sich der Titel zwar bei den Spielern der N64-Ära behaupten, fand danach aber kaum mehr Beachtung und ist somit heutzutage kein so bekannter Name mehr, wie z.B. eben die Turok-Games.

 

 

So düster wie noch nie

Zweifelsfrei, wenn auch nicht gerechtfertigt, stempelten viele Menschen das N64 als kunterbunter Kinderkonsole ab. Völlig ungeachtet von Spielen wie Doom, Turok, GoldenEye & Co.! Zu diesen erwachsenen Titeln gesellte sich auch eben Shadow Man. Im gesamten N64-Universum gab es neben z.B. Resident Evil kaum ein Spiel das so düster und erdrückend war, wie dieses vom Tod durchgetränkte Abenteuer. Als Held Michael LeRoi alias Shadow Man muss man die Welt der Lebenden (also unsere Welt) retten, da Legion aus dem Reich der Toten dort für Chaos und Verderben sorgen will. Um dieses Problem anzugehen, bewegt man sich in der normalen Welt, schreitet aber meist durch das Reich der Toten, so auch z.B. wenn man in der lebenden Welt sterben sollte. Super Sache. Noch hochwertiger lies das Spiel noch die Technik wirken. So war die Grafik zwar kein Über-Reißer aber für damals noch ansehnlich. Doch die Musik und vor Allem die Tatsache von bekannten deutschen Stimmen für die Charaktere sorgte für große Augen bzw. Ohren, mussten N64-Liebhaber doch in den meisten Fällen generell auf Sprachausgabe verzichten. Also, warm angezogen, hingesetzt, Controller in die Hand und ab in die dreckige, kalte Welt des Todes...

 

Atmosphäre, die sofort fesselt

Das konnte nicht jedes N64-Game von sich behaupten: Schon die im Hauptmenü laufende Musik began mich langsam einzunehmen und vorzubereiten. Die ersten Schritte in der realen Welt umgarnten mich ebenfalls schon mit ihrer eigenen Atmosphäre auf dem Weg zur Kathedrale im Schein der untergehenden Sonne. Doch ahnte ich da noch nicht, wie sehr mich das Spiel noch fesseln und fürchten lassen würde. Mit Hilfe eines Teddybären meines verstorbenes Bruders Luke reiste ich zum Reich der Toten und zurück. Natürlich gab es Unterschiede zwischen diesen beiden Welten, die grund unterschiedlich waren. Das darf man sich jetzt nicht wie Licht- und Schattenwelt alá Zelda III vorstellen, sondern als zwei verschiedene Orte, welche gänzlich anders waren. In der Welt der Lebenden gab es z.B. normale, menschliche Gegner und altbekannte Waffen. Im Reich der Toten griff man auf eine Seelen-Pistole zurück, welche mit blauen Seelen auf die Gegner einwirkte. Im Laufe des Spiels ließ sich die Waffe und andere Werte verbessern. Shadow Man selbst hatte, recht unangenehm, ein Skelett-Kopf in den Brustkopf gepflanzt. War er im Reich der Toten, strahlte dieser Kopf in blauem Licht, genauso wie die Augen des Shadow Man, welche sich mit steigendem Level veränderten und sich zu einer Maske formten.

 

Gruselig auf seine eigene Weise

Spiele wie Resident Evil erzeugten eine beängstigende Stimmung durch enge Räume und Schockmomente. Shadow Man hingegen zog den Spieler in eine surreale, gefährliche und vom Tod durchtriebene Welt mit ganz eigenen Gesetzen. Erinnerte teilweise am eheseten an Doom. In Resident Evil drang das Böse in eine für uns bekannte Welt. In Shadow Man befand ich mich aber in der Welt des Bösen. Wurde davon umringt. Seltsame Gesteinsformationen, Seen aus Blut, pochende Herzen als Gefäße für Seelen, tödliche Fallen, gefolterte Leichen, die mit Hilfe eines Brustkorbspreizers als Portal dienten und Monster mit abgetrennten Beinen, die hinter mir her krochen, während sie mit ihrer kratzigen, hexenartigen Stimme "Shadow Man" krächzten. Die Welt der Toten war durch und durch gelungen und glaubhaft umgesetzt worden und unterstreichte die düstere Atmosphäre zu jeder Zeit. Das wurde u.A. auch von der passenden Musik und Soundeffekten unterstützt. Ich mag mich ja nicht mehr an alles in dem Spiel erinnern aber was ich nie vergessen werde, ist einen Ort Namens "Spielzimmer"! Für Fans des gepflegten Horrors sind solche Orte ja immer die Schlimmsten, wie z.B. auch im Zombie-Shooter ZombiU. Doch der in Shadow Man unterlegte Soundtrack an diesem Ort ging mir durch Mark und Bein. Man muss es selbst mal allein im Dunkeln hören aber würde ich versuchen ihn zu beschreiben, dann würde ich sagen, das es mit einer leicht verzerrten Melodie einer Baby-Spieluhr begann. Dabei hörte man Kinder lachen, allerdings so, als spielten sie ein bis zwei Räume weiter. Das suggerierte einem, das man sich alleine in einem kleinen Zimmer befand....im Dunkeln. Während man sich da schon am liebsten zu den Kindern gesellen würde, wurde der Gedanke von einem neuen Geräusch unterbrochen. Es klang....als würde Jemand, oder Etwas direkt neben einem ein Tier zerfleischen. Zumeist hörte man Knochen knacken. Dieses scheiß Gefühl, alleine in einem Raum mit Etwas zu sein, das offensichtlich die Lust hätte einen selbst zu essen, versprühte eine unheimlich fiese Atmosphäre. Ein wenig später wandelte sich das Kinderlachen in Kinderweinen und Kettensägen waren zu hören. Vielleicht handelte es sich dabei nur um wenige Sekunden, doch war dieser Track der mit Abstand gruseligste Track, den ich je gehört hatte...

 

 

 

Denn Unser sind Viele...

Na da muss ich mich doch wundern. Schon die Intro-Sequenz und die ersten, folgenden Szenen kommen für N64-Verhältnisse erstaunlich gut rüber. Ja, über die Grafik kann man heute nur noch lachen (oder weinen?) aber die Inszenierung ist top. Man merkt gleich das der einzige Grund das die Szenen nicht so packend wirken, lediglich die Technik ist. Die Kamerafahrten sind passend, die Musik stimmig (gleich zu Beginn ertönt die Mondschein-Sonate) und die professionellen Synchronstimmen (z.B. Jack Nicholson oder ALF) erzählen die Geschichte in einer fast schon poetischen Sprache gemischt mit uns eher bekanntem Sprachgebrauch....so ist das halt "am Arsch der Welt". Aus grafischer Sicht darf man natürlich echt nicht viel erwarten. Böse Matsch-Texturen, welche besonders in engen Gängen mal für Verwirrung sorgen können. Amüsante Formen der Figuren. Die Hände sind sind bei den Männern unproportional groß, während man bei der Frau, Agneta, manchmal nicht weiß ob die Hände überhaupt 3D sind. Auf der Haben-Seite sind da aber z.B. die Lichteffekte. Schießt man mit der Seelen-Wumme, erleuchtet auch die Umgebung. Am Schönsten sind aber die Lichtstrahlen-Effekte wenn man eine bösartige Seele befreit hat oder erledigte Gegner sich auflösen. Erstaunlich ist aber, das trotz dieser enorm veralteten Grafik immernoch ein Großteil der Stimmung vermittelt wird. Man merkt den Hauch des Todes der in dieser Welt verharrt, besonders weil man auch absolut niemanden hat, der einem helfen will, außer der Hut tragenden Skelettkopf-Schlange Jaunty, die mit ihrem schrägen Humor doch immer bereit ist, Shadow Man unter die Arme zu greifen.

 

Shadow Croft

Schon früh im Spiel macht sich ein vertrautes Gefühl breit.....irgendwie kennt man die Art des Spielens. Und tatsächlich fühle ich mich schnell an Tomb Raider erinnert. Man läuft, schießt auf Gegner, klettert von Vorsprung zu Vorsprung, hangelt sich über Seile und löst kleine Rätsel. Vom Aufbau der Welt erinnert das Spiel aber mehr an Metroid. Man durchläuft ein großes, verzweigtes Reich und stößt immerwieder mal auf Sackgassen an denen man erst mit Hilfe von bestimmten Fähigkeiten weiter kommt. Häufig gibt es Portale, die sich nur mit einer ausreichenden Kraft von dunklen Seelen öffnen lassen. Diese findet man meist nur versteckt oder auf umständlichem Wege. Dazu gibt es noch weitere Waffen wie z.B. einen Totenkopf-Stab welcher Feuer verschießt. Dies kostet dann aber spezielle Energie, während die Seelen-Pistole endlos schießen kann. Mit steigendem Level lässt sich DIese auch noch stark aufladen. Alles in Allem ist Shadow Man immernoch ein wahnsinnig atmosphärisches Spiel in dem man ziemlich allein gelassen wird und man keinerlei Hilfen bekommt. Lässt man den optisches Aspekt aber mal außer Acht, gibt es aber immernoch Punkte die nerven können. Das fängt unvorteilhafterweise mit der Seelen-Pistole an. Der Sound dieser Waffe ist richtig penetrant und geht schnell auf den Keks, da man eben häufig mit ihr schießen muss und das schon zu Beginn, da selbst die ersten "Zombies" viel einstecken können. Weiter sind die Rücksetzpunkte wenn man stirbt ehrlich nicht schön. Besonders da einige Wege schon recht verzweigt sind und auch wenn die meisten getöteten Gegner weg bleiben, hat man immernoch einen teils enormen Weg mit Hindernissen und tödlichen Fallen zurück zu legen. Etwas unvorteilhaft ist es auch, das man keine seitlichen Schritte ausführen kann. Es gibt einige enge Räumlichkeiten in denen man sich gegen schnelle Gegner nur schwer zu Wehr setzen kann, wenn man so eingeschränkt ist. 


Ein weiterer Remake-Kandidat

Wie auch schon N64-Titel alá Turok, Mario 64 oder GoldenEye würde ich mich ebenso für Shadow Man ein Remake wünschen. Inhaltilch könnte man alles so lassen wie es ist, nur mit moderner Grafik und zeitgemäßem Speichersystem sowie Steuerung. Doch ansonsten stimmt einfach alles in diesem düsteren Abenteuer. Thematisch vergleichbare Spiele wie Darksiders 2 wirken dagegen wie ein Kindergeburtstag: Bunt und mit vielen Freunden. Shadow Man ist viel ernster, düsterer und das Reich der Toten wirkt spürbar befremdlicher. Das weiß zu gefallen, trotz der böse gealterten Grafik. Shadow Man ist auch ein weiters Spiel bei dem man ganz traurig werden kann, das es Acclaim nicht mehr gibt. Neben Rare und Nintendo waren sie einfach die geilsten Entwickler damals. Unter´m Strich kann ich dieses Schätzchen hier aber Jedem empfehlen. Solange man starke Ohren für die Seelen-Wumme hat, mit der eingeschränkten Bewegungsfreiheit klar kommt und etwas Geduld mitbringt, wenn man gestorben ist. Wobei die Zeit die man braucht, um den Weg bis zum Todesort wieder zu erreichen auch nicht viel länger ist als beim Ladebildschirm von Bloodborne und dort stirbt man wahrlich öfter. 

 

 


Spielfortschritt:


Grafik

Zwar matschig aber dafür toll inszenierte Umgebungen und glaubwürdige Welt

Sound

Von atmosphärisch bis echt gruselig. Der Sound und Musik macht viel von der Atmosphäre aus.


Steuerung

Für Schusswechsel ungeeignet aber dafür präzise Sprünge gut beherrschbar.

GESAMT:

Scheiß auf Darksiders. Shadow Man ist der Meister im Reich der Toten!